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Alltag auf See

27.12.2010

Drei Tage nach unserer Abfahrt von Lanzarote drehte der Wind immer weiter auf Südwest und zwang uns zu einem Kurs entlang der afrikanischen Küste. Weil wir dann in Etwa Kurs auf die Kapverdischen Inseln hatten, beschlossen wir, da mal Weihnachtsurlaub zu machen.
Das gibt uns Gelegenheit, über die Segelromantik oder den grauen Segelalltag (wie man’s nimmt) zu berichten, damit unsere Leserschaft sich vorstellen kann, wie die nächsten zweieinhalb Wochen auf hoher See etwa ablaufen werden.

Mitternacht, der (beinahe volle) Mond zeichnet eine silbrige Bahn aufs Meer, auf der wir dahingleiten.
Nelly beginnt die zweite Stunde ihrer Wache und eröffnet eine neue Seite im Logbuch. Sie rechnet die gesegelten oder mit Motor zurückgelegten Meilen der letzten 24 Stunden aus sowie den Diesel- und Wasserverbrauch. Vor Mitternacht hat sie einen Brotteig geknetet und in die Wok-Pfanne gelegt. Nun muss die Hefe einige Stunden für uns arbeiten.
02:00 Nelly orientiert Peter über die Vorkommnisse in ihrer Wache und geht schlafen. Peters Wache beginnt mit ... Aufwachen. Nach einer halben Stunde, nach einer Mandarine und einigen Schokokeksen legt er seinen Rettungsgurt an, klinkt sich im Cockpit ein und prüft den Segeltrimm und den Kurs. Nach diesem Erfolgserlebnis legt er sich in die Kissen des Decksalons und liest (mit Blick auf den Radarschirm und den Navigations-Bildschirm) einen Törnführer über die Kapverdischen Inseln.
05:00 Nellys zweite Nachtwache. Sie verfolgt mit dem AIS (Automatisches Identifikationssystem) zuerst mal einen 330 m langen Tanker, der auf Kollisionskurs mit uns fährt. Aber wie die meisten grossen Schiffe ändert er bei 5 - 6 Seemeilen Annäherung seinen Kurs um 1 - 2 Grad, um uns den Vortritt zu gewähren. Nelly kann sich nun die Kopfhörer ihres MP3-Players überstülpen, an ihrem Hörbuch weiterhören und dem Closest Point of Approach getrost entgegensehen (ca. 1 Seemeile). Zwischendurch „tigert“ sie im Salon oder im Cockpit umher, um den Kampf gegen den Schlaf nicht zu verlieren. Jede Stunde schreibt sie einen kurzen Eintrag ins Logbuch.
08:00 Es taget – wir vergrössern die Segelfläche für den Tag. Nelly geht schlafen, einsam wacht Peter. Er blinzelt kurz aus dem Cockpit, der Sonne entgegen, die gleich aus dem Meer auftauchen wird. Aber jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Das Brot muss gebacken werden. Dreiviertel Stunden Backen im Wok auf dem Gasherd zaubern einen köstlichen Brotduft ins Schiff. (Dass Nelly so noch schlafen kann?)
09:00 Kaum ist das Brot fertig (Stress lass nach!), setzt Peter sich ans Kurzwellengerät, um sich in die tägliche Konferenz der „RumRunners“ einzuklinken. Die RumRunners sind die Crews von ca. 30 Segelbooten, die alle zwischen den Kanaren, den Kapverden und der Karibik unterwegs sind. Becky leitet heute das Gespräch. Das tönt dann so:
Becky: Boats on the way to check in for the RumRunners Net – please come now!
Peter: Alua, Alua
Becky: I heard Alua; Good morning, Peter, go ahead!
Peter: Good morning, Becky, good morning the net! Our position is two zero degrees two nine minutes North, one seven degrees two five minutes West. We have wind from Northwest with one two knots and a swell of one to two meters. Our course is two two zero. over
Becky: I have a light copy on you; please repeat your longitude! over
Peter: Our longitude is one - seven - two - five. over
Becky: Your longitude is one seven two five. Is this a roger? over
Peter: This is a roger. over
Becky: Ok; I have Alua at two zero two nine North, one seven two five West on two two zero, wind one two Northwest, sea one to two meters. Anything else from you, Peter? over
Peter: No. We are both fine and enjoy the good conditions. Thanks, Becky, for the net! Standing by

Dieses Netz gibt uns jeweils die aktuellsten Informationen über das Wetter und das Meer um uns herum. Ausserdem vermittelt es das Gefühl, dass man nicht alleine in der endlosen Weite des Atlantiks über ein Meer segelt, das nicht immer nur so sanft ist wie heute. Da einige Funkamateure dabei sind, haben wir über diese Relay-Stationen bei technischen oder gesundheitlichen Problem wichtige Verbindungen in die ganze Welt.
10:00 Nelly ist aufgewacht. Nun haben wir Zeit für das Frühstück mit frischem Brot, Mandarinen und heissem Tee. Anschliessend stellt Nelly eine Kurzwellen-Verbindung zum Server von sailmail.com her und lädt den neusten Wetterbericht (als Grib-Dateien) via Pactor-Modem direkt auf unseren Bordcomputer. Sie erstellt einen Streckenwetter-Report und wir besprechen die Segeltaktik für die nächsten 24 Stunden.
Das Elfiglöckli haben wir verpasst, aber wir haben ja nicht weit und sammeln uns mal im Cockpit um zu sehen, ob Delfine oder vielleicht eine Rettungsinsel zu sehen sind (nichts ist unmöglich, wie wir seit unserem Aufenthalt in der Marina Rubicon wissen).
13:00 Zeit für einen kleinen Imbiss denn: „ im Hypo segelt es sich nicht gut“, wie Nelly zu sagen pflegt. Sie pflegt noch mehr zu sagen, aber das mit dem grossen Mann und der Frau dahinter kennt ihr ja bereits.
Heute stehen eine aufgeschnittene Mango, ein aufgeschnittener Wildschwein-Salami und (immer noch frisches) Brot auf dem Menuplan. Dazu gibt es selbstgemachtes Wasser.
Es gibt zwei Möglichkeiten, Wasser selbst zu machen; die erste ist die einfachere: man nehme zwei H und ein O, hänge sie zusammen, gibt H2O.
Die zweite Methode ist schwieriger und teurer aber besser fürs Schiff geeignet. Man kaufe ein Entsalzungsgerät, installiere es in tagelangen verwundenen Yogastellungen und lege dann täglich den Schalter um. Über Mittag ist genau die richtige Zeit dazu, wenn unsere Solarzellen Strom produzieren. Denn Entsalzungsgeräte hassen Salz aber liiiiieben elektrischen Strom.
Wenn Mann den Schalter zu spät auf die andere Seite umlegt, läuft das selbstgemachte Wasser ins Schiff, und Mann kann nach dem Wasserentsalzen auch noch die Bilge entwässern. (Wieder eine romantische Stunde vorbei!)
14:00 Peter legt sich hin zum Mittagsschlaf.
15:30 Nelly legt sich hin zum Mittagsschlaf
17:00 Es wird kühles Coca Cola (mit Zitrone) ins Cockpit serviert, und wir diskutieren die Besegelung für die Nacht.
18:00 Wir reduzieren die Segelfläche für die Nacht. Anschliessend begibt sich der Smutje in die Kombüse und zaubert je nach Seegang ein grösseres oder kleineres Dinner auf den Cockpit-Tisch.
20:00 Nelly geht schlafen. Peters erste Wache beginnt. Er schaltet das Radar ein und legt eine Alarmzone von 6 Meilen fest. Das Radar wird sich nun (aus Energiespargründen) alle 15 Minuten einschalten, ringsum schauen und Alarm auslösen, falls ein Hindernis in die Alarmzone eindringt. Nun kann sich Peter ans Geschirrspülen machen.
23:00 Peter geht schlafen, Nellys erste Wache beginnt. Sie kontrolliert den Kurs, korrigiert falls nötig am Autopiloten und holt sich ein Glas Pfefferminztee und schaut, ob das Brot noch fürs Frühstück reicht...

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