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Atlantik-Romantik

23.01.2011

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Zuerst zur Auflösung unseres Geriatrie-Wein-Rätsels:
Die originellste Lösung kam wieder mal von Fritz; hier seine Vorschläge:
a. Wenn es nach euren Vorlieben geht, Nelly Champus, Peter Cola-Lemon, dann braucht ihr nur 1 Flasche zum Empfang in der Karibik.
b. Als sparsame Schweizer braucht ihr 23,3 Flaschen.
c. Als normale Schweizer braucht ihr 4 Kartons (4x6 Fl.) = 24 Flaschen.
d. Als freiheitsliebende Segler nehmt ihr bestimmt 30 Flaschen plus mit, odder?

Wir gestehen es, Lösung d. kam der Wirklichkeit am nächsten. Da wir aber 0.7 Knoten schneller waren als geplant, warfen wir den Rest des Weins über Bord.

Nun einige nautische Informationen für Segelfans und Atlantikfreaks in spe:
Am ersten Tag zog uns der Klüver allein aus der Bucht von Mindelo und durch die Düse zwischen Sao Vincente und Santo Antao. In einem wilden Ritt erreichten wir Rumpfgeschwindigkeit, wobei Wellen und Strom kräftig mitschoben. Hinter den Inseln gerieten wir dann für einige Meilen in eine üble Kreuzsee mit gleichzeitiger Flaute. Das blieben bis Grenada die einzigen Meilen unter Motorkraft; der Rest – immerhin 2175 Seemeilen - war Segeln!

13 von 16 Tagen segelten wir mit Schmetterling, d.h. Klüver an Backbord und Fock an steuerbord ausgebaumt. Je nach Wind fuhren wir den Klüver mit 1 - 3 Reff. Nachts reduzierten wir meist die Segelfläche, um grössere Manöver in der Dunkelheit und in Schlaftrunkenheit (nur Schlaftrunkenheit!) zu vermeiden. Zwei Tage fuhren wir mit Klüver und Gross, als der Wind mitten im Atlantik Richtung Nord drehte. Den Parasailor setzten wir nie ein, da die Windstärke immer über 15 Knoten lag (meist um 25), stets verbunden mit der Gefahr von Böen plus 50%.
Die letzten 2 Tage und Nächte fuhren wir mir mehreren Reffs, zum Schluss nur noch mit der Fock bei Böen bis 40 kn aus wechselnden Richtungen verbunden mit heftigen Regengüssen (Squalls) und kamen entsprechend erschöpft in Grenada an.
Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 5.7 Knoten, das grösste Etmal war 153 Meilen.

Zwei Ausrüstungsteile waren uns besonders nützlich: Die Windsteuerung Pacific Plus (sie steuerte 382 Stunden nonstop, perfekt und ohne zu murren) und der Kurzwellen-Funk. Über das Funknetz der RumRunners berichteten wir ja schon im letzten grossen Beitrag. Nun, nach der Atlantiküberquerung, können wir noch folgende Beispiele anfügen:
Ein Schiff meldete Motorenprobleme und erhielt von einem Fachmann auf einem andern Boot auf dem Atlantik Anweisungen zur (erfolgreichen) Reparatur.
Ein Katamaran meldete Bruch des Ruderquadranten; Schiffe der RumRunners wurden aufgerufen, Kurs zur Havariestelle zu nehmen um ev. Hilfe zu leisten (die dann allerdings nicht nötig war).
In der Karibik wurde ein über Bord gegangener Einhandsegler vermisst. Die in der Nähe befindlichen RumRunners wurden informiert und hielten verstärkt Ausschau.
Und wenn der Skipper auf der Alua mit seinen Hochsee-Angelversuchen nicht erfolgreich ist, holt er Tipps via Funk und zack! gibt’s frischen Fisch zum Znacht.
Und dann (dank HF-Funk) unsere einzige reale Begegnung mit einer Yacht in 16 Tagen. Wir wussten vom RumRunners Net, wie nahe wir auf beinahe gleichem Kurs mit der SY „Solstice“ segelten und nahmen bei der Annäherung Kontakt via VHF auf. Dann näherten wir uns für eine Fotosession, und so entstanden die grossartigen Fotos von Alua in voller Fahrt mitten im Atlantik. Herzlichen Dank Shirlee und John!!! Wer mehr von Solstice sehen und lesen will geht auf www.svsolstice.com.

Was uns am meisten zusetzte, war, dass die Tage tatsächlich (wer hätte das geglaubt) 24 Stunden hatten, die alle die Aufmerksamkeit von 50% der Besatzung erforderten. Das hiess für beide von uns 4 x täglich schlafen gehen und (was schlimmer ist) 4x täglich aufstehen. Unsere Hauptaufgaben waren: Kurs halten, genug schlafen, genug trinken, wach bleiben, etwas essen; und das alles bei rollendem Schiff, an die Bordwand donnernden Wellen und quietschendem und ächzendem Rumpf. Einen Apfel raffeln, etwas Müsli und etwas Milch dazugeben war manchmal ein Kraftakt von 15 Minuten. Zwei Tage nach dem Start von den Kapverdischen Inseln wurde das Wellenbild regelmässig. Die Wellen kamen wie der Wind aus nordöstlicher Richtung mit einer Höhe zwischen 2.5 und 3.5 m. Nur die letzten beiden Tage hatten wir Wellenhöhen über 4 Meter.
Diese achterlich einlaufenden Wellen haben eine wunderbar schiebende Wirkung, unsere 18 Tonnen schwere Alua beschleunigte auf den Wellenhängen oft auf 7 - 8 Knoten. Das Schlechte dabei ist, dass sie das Schiff immer wieder in heftiges Rollen versetzen und wir uns deshalb im Boot herumhangelten wie die Klammeraffen im Zolli auf ihren Kletterbäumen. Leider hat die Evolution nicht vorausgesehen, dass sich aus dem Homo Sapiens die Unterart Homo Sapiens Navigans entwickelt, und uns den praktischen Greifschwanz der Klammeraffen wegevolutioniert. Immerhin war das Hangeln eine Art Krafttraining, während der Aktionsradius eingeschränkt war zwischen Koje, Toilette, Kombüse und Cockpit. Wahrscheinlich könnten wir uns wegen dieses völlig beschränkten Bewegungsraumes in Strassburg selbst wegen Missachtung der Menschenrechte anzeigen. Fakt ist, dass durch das viele Sitzen unsere Hintern Hornhaut entwickelten; unser grösstes medizinisches Problem dieser Atlantiküberquerung (unsere Sorgen möchten wir haben). Gott sei Dank ist Grenada vulkanischen Ursprungs; es gibt also genug Bims, um unsere Hintern für die Badesaison in der Karibik wieder glatt zu hobeln.

Kaum in der Karibik konnte Peter endlich mal wieder eine lokale Radiostation hören, und was hört sein geneigtes (und Nellys empfindliches) Ohr nebst Reggae und euphorischen Rasta-Predigern:
„Keep loving Grenada – keep loving you!“
In diesem Sinne bis bald und keep in touch!



First of all some nautical information for sailors and Atlantic freaks to be: On the first day it was just the jib that pulled us out of the bay of Mindelo and through the blast pipe between Sao Vincente und Santo Antao. On a wild ride we reached hull speed while waves and current pushed in additional. Behind the islands we got into a confused sea and a calm at the same time. These were the only miles we had to motor until Grenada, which means 2175 nautical miles of sailing.

13 out of 16 days we were sailing wing by wing, that means jib on portside and foresail on starboard both poled out. According to the wind we had set 1 - 3 reefs to the jib. At nighttime we normally shortened sails to avoid demanding manoeuvres in darkness and somnolence. Two days we were sailing with mainsail and jib, when the wind turned to far to the North in the midst of the Atlantic. We never used our spinnaker because the wind speed was above 15 knots most of the time (mostly 25 kn), the risk of squalls plus 50% impending at all times.
The last two days and nights we reefed down to 3 and the last miles we sailed just with the foresail. Squalls from different directions up to 40 knots and heavy rainfalls exhausted in the end.
Our average speed was 5.7 knots; the longest etmal was 153 miles.

Two pieces of equipment were especially helpful: The Pacific wind steering (it was steering for 382 hours non-stop, perfectly and without complaining) and the SSB radio. We already informed about the RumRunners Net in our last report. Now having crossed the Atlantic we can add the following proves for its usefulness:
One crew reported engine problems and got instructions for a successful repair from a specialist on board an other yacht.
A catamaran reported a broken rudder quadrant; RumRunner boats were directed towards its position to assist (which was not needed in the end).
A one hander had gone over board and was missed in the Caribbean. RumRunners boats sailing close by had additional sharp lookout.
And when the skipper of Alua had no success in catching a fish, he gets advice from an other sailor and zack! there is fresh fish for dinner.
And then (thanks to SSB) there was our one and only real encounter with a sailing yacht within 16 days. We knew from the RumRunners net, how close we were sailing with SV „Solstice“ and got in contact on VHF. We approached for a foto session and this is how the great pictures of Alua were taken. Thanks so much Shirlee and John!!! Those who would like to read more about Solstice go to www.svsolstice.com.

What exhausted us most, was (who would have believed) that the days all had 24 hours, which all called for the same alertness by 50% of the crew. This meant for both of us: go to sleep 4 times a day and (what is worse) get up 4 times a day. Our major tasks were: keep course, get some sleep, drink enough, stay awake, eat something; and all this on a rolling boat with waves hammering against the ship’s side and a squeaky and groaning hull. To grate an apple, add some muesli and milk was sometimes a show of strength of 15 minutes.

Two days after our departure from the Cape Verde Islands the waves pattern became more regular. Waves and wind came from the Northeast with a height of 2.5 to 3.5 meters. Only the last two days we had to struggle with waves over 4 meters.
Waves arriving from astern have a great pushing effect; Alua weighing 18 tons accelerated to 7 - 8 knots sailing down the waves. The bad thing about it is that Alua rolled hard and we had layaway like Spider Monkeys in the zoo. Unfortunately evolution did not foresee that Homo Sapiens developed into a subspecies known as Homo Sapiens Navigans and evolutioned away that handy tail of the Spider Monkeys. At least the layaway was kind of a strength training while our operating range was restricted from bunk, toilet, galley and cockpit. Probably we should report ourselves to the international court in Strasburg for neglecting the human rights. Fact is that our bottoms had builded up horny skin from sitting so many hours. This was our hardest medical problem (our worries we’d like to have). Thanks God Grenada is of volcanic origin and so there is enough pumice stone to get our bottoms smooth for the Caribbean bathing season.

Barely in the Caribbean, Peter could finally listen to local radio stations again, and what did his well-disposed (and Nellys sensitive) ear suck in besides Reggae and upbeat Rasta preachers:
„Keep loving Grenada – keep loving you!“
In this spirit: see you soon and keep in touch!

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