Aluas Logbuch

Home Reiseroute Logbuch Galerie Kontakt Links

Geplante Obsoleszenz

12.01.2013

Curacao, 11. Januar 2013
Nein! Frau muss nicht googeln; wir machen gleich ein Beispiel, um dieses obsolete Wort zu erklären, das notabene nicht aus dem nautischen Bereich stammt.
Pünktlich zur dunkelsten Zeit des Jahres, zwischen Weihnachten und Neujahr, verabschiedete sich zuerst unser Ankerlicht und dann das weisse Licht der Dreifarbenlaterne auf dem Mast. Als wir die anderen Lampen kontrollierten, stellten wir fest, dass das Hecklicht innen mit Wasser beschlagen war. Nach der Demontage und dem Öffnen zeigten sich im Innern Ablagerungen von Salz!!! Nach vorsichtigem Reinigen, Trocknen und Wiederzusammensetzen gab die "Leuchte" den Geist endgültig auf.
Wenn wir das Ankerlicht einschalteten, leuchtete zwar immer noch die grüne Kontrolllampe auf unserem Schalterpaneel, zugleich zeigte aber auch der Schalter des Dreifarbenlichts ein schwaches Leuchten. Wir interpretierten dieses Phänomen als Kurzschluss oder Kriechstrom, krochen darob mal den Mast hoch und fanden, dass auch im Topplicht Wasser eingedrungen war.
Nun sind ja die Lampen von BlueWaterLight nicht gerade den Billigprodukten zuzurechnen und nicht unbedingt für Schnäppchenjäger konzipiert (Topplicht 329 Euro). Die grossmundige Beschreibung, dass LED-Lampen eine Lebensdauer von 20’000 Std. haben, liess uns seinerzeit die satten Mehrkosten in Kauf nehmen.
Und nun kommen wir zur geplanten Obsoleszenz:
Gut gerechnet hatten unsere Lampen im Gesamten 500 Std. geleuchtet; und nun sind sie futsch. Reparieren können wir sie nicht selbst, denn die Teile sind im Handel nicht erhältlich. Also können wir mit einer teuren Reparatur rechnen (und die Lampen aus der Karibik nach Deutschland senden und damit noch DHL bereichern).
Warum aber gingen die Lampen flöten, wenn doch das Gehäuse rostfrei, das Glas von Topqualität und das Design edel sein sollen? Ganz einfach: Zwischen Glas und Deckel bzw. Boden sind Gummidichtungen eingelegt und dieser Gummi ist der Schwachpunkt, wird nach wenigen Jahren spröde und undicht und vernichtet so automatisch die teure Lampe, die eigentlich hätte 20’000 Std. brennen sollen.
Dass solche Schwachpunkte nicht Zufall sind, sondern von der Industrie bewusst eingebaut werden, ist unter dem Begriff „geplante Obsoleszenz“ bekannt (von Lateinisch: obsolescere – sich abnutzen). Etwas weniger akademisch und verwirrend ausgedrückt kann man auch sagen: Betrug am Kunden.
Mit dieser Erkenntnis ausgestattet, weiss nun der gestresste Hausmann auch, warum das Mikrowellengerät und der Laserdrucker wenige Monate nach Ablauf der Garantie den Geist aufgegeben haben. Es leben die Umsatzsteigerung und der Konsumboom!
Für uns stellt sich die Frage, wie wir uns diesem Betrug entgegenstemmen können. Unsere Lösung war die folgende: Wir kauften eine billige Dreifarbenlaterne (ja, genau so eine, wie wir sie vor wenigen Jahren vom Mast holten, weil wir dachten, als Blauwassersegler bräuchten wir BlueWaterLight) und rüsteten sie mit LEDs mit Bajonettverschluss auf. Nun können wir alle Einzelteile selbst ersetzen und müssen nicht schon 50 Teuro für einen Kostenvoranschlag einer Reparatur bezahlen. Die kritischen Stellen der Laterne dichteten wir zusätzlich mit einem Silanpolymer. Nun wollen wir mal schauen, wie viel ungeplante Obsoleszenz wir eingebaut haben...

Im Übrigen waren uns die zwei Tage Arbeit (inkl. 5-maligem Mastaufstieg) eine fröhlich-sportliche Abwechslung, weil wir hier im Spaanse Water auf ein günstiges Wetterfenster warten müssen, um Richtung Panama zu segeln. Für das Gebiet vor Kolumbien besteht zur Zeit eine Sturmwarnung, wobei die Wellen durch einen Gegenstrom entlang der kolumbianischen Küste nicht nur hoch, sondern auch steil und damit gefährlich, mindestens aber seeehhhr unangenehm werden können.

Um Meteorologie ging es auch im letzten Rätsel, das Fritz am schnellsten gelöst hat.
Das Christkind, nach dem gesucht wurde, heisst: El Nino (span. das Kind, das Christkind). Bei diesem grossräumigen Wetterphänomen kehrt sich durch eine Verschiebung der Windzonen die Oberflächenströmung des Pazifiks um. Der Ostpazifik vor Südamerika erwärmt sich, und der Humboldtstrom kommt zum Erliegen. Der Name El Nino bezieht sich auf die Zeit des Auftretens des Phänomens um die Weihnachtszeit. El Nino kann mehrere Monate dauern und löst in Südamerika und auf den Galapagos starke Regenfälle aus. Für uns Segler bedeutet das: keine konstanten Passatwinde, kein Strom, der uns mitnimmt und ein erhöhtes Risiko von Gewittern und Stürmen inkl. Taifunen ausserhalb der eigentlichen Taifunzeit.
Wer sich ausführlicher informieren will gehe zu http://de.wikipedia.org/wiki/El_Niño

Das neue Rätsel der Woche findest du in der Foto „Normans Bar“.




zurück zum Logbuch




mehr Fotos


© 2007-2014 Alua - Website by lovelyplanet