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Blinder Passagier in Fatu Hiva

16.06.2013

After 23 days of sailing from the Galapagos to the Marquesas we set anchor at Fatu Hiva.
This most scenic bay is called „Baie des Vierges“ (Bay of Virgins); the original (French) name was „Baie des Verges“ (Bay of Penises). But once again the Christian missionaries managed to bend downward what used to be upright and strong - this time simply by adding an „i“ to the original name. This consecration from „Bay of Penises“ to „Bay of Virgins“ seems quite striking to us - considering the pious motives of this procedure.
Honny soit qui mal y pense!

Well, what are we doing in the so called “most beautiful bay of the world”?
First we find a leak in our stern locker that has to be fixed. While searching a tool, Nelly detects a rat, which we finally catch and kill with a spray we normally use to clean the engine. The rat must have come on board at the Galapagos, probably in a bag with laundry.
Bad news is that Nelly breaks her left arm as she slips on the wet rocks along the beach of Hanavave. Good news is that an orthopaedic surgeon whom we had met in the Galapagos is here in the Baie of Virgins and can fix Nelly’s arm with an improvised cast. Later in Hiva Oa there should be a medical centre with x-ray and hopefully some material for a long lasting fixation.
And finally a drifting boat is blown onto our bowsprit after a row of severe mistakes of the skipper. After all it paid out to have a strong steel boat, and the damage on the other boat is much bigger.
So we are busy getting Nelly doctored and filling out insurance papers.
Is this the Polynesian Paradise?

Nach 23 Tagen auf See liegen wir also zum ersten Mal in der Südsee vor Anker; in der schönsten Bucht der Welt mit dem schönen Namen „Baie de Vierges“. Ursprünglich hiess die Bucht mal „Baie des Verges“, was philologisch korrekt mit „Bucht der männlichen Glieder“ zu übersetzen wäre. Den Missionaren ist es aber auch hier geschickt gelungen, in ihrem christlichen Eifer Aufrechtes und Starkes nach unten zu biegen, einfach indem sie in den ursprünglichen Namen ein „i“ einfügten. Diese Wandlung von „Bucht der männlichen Glieder“ zu „Bucht der Jungfrauen“ erscheint uns angesichts dieses frommen Beweggrundes doch einigermassen bemerkenswert.
Honny soit qui mal y pense!

Ja, und was macht man jetzt so in der schönsten Bucht der Welt?
Gleich am ersten Abend trifft sich der „harte Kern“ des Beagle Netzes auf der SY Sweet Surrender zum Sundowner. Da sehen wir einige Crews zum ersten Mal, deren Stimme uns nach 3 Wochen Funkverkehr vertraut und lieb geworden sind. Alle sind sich einig: ein Honigschlecken war diese 3-wöchige Passage nicht. Schwell aus Süden wurde überlagert von den Wellen des Passats und es bildete sich ein konfuses Wellenbild, das die Alua immer wieder seitlich traf und schüttelte.
Am andern Morgen beschliessen wir, die Bettwäsche zu wechseln und bei dieser Gelegenheit den unter den Kojen liegende Ruderquadranten zu kontrollieren. Dabei machen wir die wenig erspriessliche Entdeckung, dass von irgendwoher Salzwasser eingedrungen ist. Nach einer Stunde ist das Leck identifiziert. Das Wasser musste durch die Entlüftungsöffnung der Backskiste vom Heck her durch eine hohe Welle von achtern hineingedrückt worden sein. Dann konnte es in aller Ruhe entlang der Gasleitung ins Innere sickern. Die Entlüftungsöffnung dient dazu, allfällig aus der Gasflasche austretendes Gas nach aussen entweichen zu lassen, bevor es knallt. Nun wurde also die Backskiste leergeräumt und dazu musste die Gasleitung von der Flasche getrennt werden, was den Einsatz eines Gabelschlüssels erforderlich machte. Nelly macht sich auf den Weg, das Werkzeug zu holen, als plötzlich ein markerschütternder Schrei die Alua und den Skipper erbeben lassen. Letzterer eilt herbei und findet Nelly auf der Treppe sitzend, die Füsse angezogen und auf den Kasten im Salon zeigend: „eine Ratte !!!!!!!!!!!!!!“
Nun ist guter Rat teuer. Zuerst mal schliessen wir die Kastentüre und die Ratte ist gefangen – ha! Wie aber sollen wir sie da erwischen, ohne dass sie auf Nimmerwiedersehn irgendwo im Rumpf entwischt? Wir beschliessen, das unerwünschte Tierchen in situ zu betäuben und versuchen es mit Aceton, welches wir durch die kleine Öffnung des Kastenverschlusses einführen. Nun bauen wir vor dem Kasten eine Barrikade und öffnen vorsichtig die Türe, um den Erfolg der Narkose zu testen. Ergebnis: Aceton eignet sich nicht zu Narkotisierung einer Ratte. Alkohol? Den müssten wir ihr wohl per oral verabreichen.
Als wir unser Giftarsenal durchstöbern, finden wir einen „Profi Sprühreiniger“ („spezialisiert für den professionellen Einsatz in Industrie und Montage...“). Unter „Sicherheitshinweise“ steht geschrieben: „Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.“ Damit gelingt die Narkose und der Exitus tritt wenig später durch Atemstillstand ein.
Wo und wie die Ratte an Bord kam, können wir nur vermuten; wir tippen auf San Cristobal und darauf, dass wir sie mit einer Tasche frisch gewaschener Wäsche aus der Wäscherei mitgebracht hatten. Folglich musste es sich um die auf den Galapagos endemische Galapagos-Reisratte (Nesoryzomys) handeln, sie war nun als einzige ihrer Art für kurze Zeit auf der Alua endemisch gewesen.
Wohl vollbracht ist dieses nun, der Skipper kann was anderes tun.
Nun wurden der Durchgang der Gasleitung abgedichtet und die nassen Stellen im Schiff sorgfältig gereinigt und getrocknet.
Unterdessen hatte der Wind in der Bucht so zugelegt, dass es angebracht schien, die Navigation einzuschalten, um die Ankerposition mit dem Schwoikreis zu vergleichen. Doch – Schreck lass nach! – die Seekarte erschien auf dem Bildschirm um 90° gedreht und so sassen wir nun buchstäblich mit hängenden Köpfen da, um unsere Position zu checken. Offenbar hatten wir in der Ratten-Hysterie irgendwas auf die Tastatur des Computers gelegt und mit einer geheimen Tastenkombination diese Drehung ausgelöst. Nach einer Stunde im Trial-and-Error-Verfahren, weil das Hilfe-Programm auf dieses Problem keine Antwort wusste, hatten wir auch dies wieder im Griff. Damit war der zweite Tag in der schönsten Bucht der Welt Geschichte und wir legten uns bald nach Einbruch der Nacht erschöpft in die frischen Betten.
In der Nacht kam starker Wind auf, der in Böen 42 kn (Windstärke 9) erreichte. Der Anker hielt ohne zu mucken, aber die Böen trieben uns mehrfach gefährlich nahe an die beinahe senkrechten Felsen der engen Bucht – sleepless in Hanavave.
Das Paradies will hart erarbeitet sein.

Und hier leider noch eine sehr traurige Nachricht:
Unser lieber Freund Fritz, mit dem wir 2007 durch den Biscaya-Sturm Richtung Süden segelten, ist nicht mehr unter uns. Wenige Tage vor seinem überraschenden Tod beantwortete er noch unsere Rätselfrage und hat einmal mehr unseren kleinen Wettbewerb gewonnen. Mit seiner humorvollen Geschichte über die Blaufusstölpel von Galapagos wird er allen unseren Lesern in Erinnerung bleiben.


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