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When in Turkey Far Away

09.06.2016

Nichts Bessers weiss ich mir an Sonn- und Feiertagen
On holidays there's nothing I like better
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Than talking about war and war's display,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
When in Turkey far away,
Die Völker aufeinanderschlagen
People one another batter.

Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
You sit by the window; have a glass;
Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten;
See the bright boats glide down the river,
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Then you walk back home and bless
Und segnet Fried und Friedenszeiten
Its peacefulness, and peace, forever.

No, we are not amused at all like the citizen in Goethe's Faust is. We always had the plan to sail across the Gulf of Aden and through the Red Sea back home into the Mediterranean. It's sad to see things going so wrong in Yemen, Somalia, Egypt, Syria and some other countries of the Middle East - civil wars, terrorists, pirates, refugees, destroyed countries and long lasting problems.
Where have all the tales of "Thousand and One Nights" gone? And where the sensuousness of Arabia?

We decided to put Alua on a freighter to give her and ourselves a safe passage. And once in Turkey, we found some good craftsmen to give her a general maintenance and overhaul. And now we are sailing on to where we started 6 years ago.

Nein, wie der Bürger in Goethes Faust können wir uns ob der tristen Situation hinten, weit, in der Türkei und noch ein bisschen weiter hinten, nicht amüsieren. Wir hatten ja eigentlich seit Jahren geplant, durch den Golf von Aden und durchs Rote Meer zurück in "Unser Meer" zu segeln. Aber das wurde uns vermasselt durch die Situation ums Horn von Afrika und im Nahen Osten: Krieg, Bürgerkrieg, Piraten, Chaos, Attentate, Segler unerwünscht, ... Wo grossartige Kulturen im Nahen Osten schon im 3. Jahrtausend v. Chr. die erste Schrift entwickelten, Sternstunden der Astronomie erlebten, Pyramiden bauten und hängende Gärten, riskiert heute seine Freiheit oder sein Leben, wer friedlich segeln und fremde Kulturen und Völker kennenlernen will. An Land zu gehen ist nicht unbedingt empfehlenswert oder verboten. Wo sind die Märchen aus "Tausendundeine Nacht" geblieben, wo die Sinnlichkeit Arabiens?
Was da zur Zeit an Verbrechen begangen wird, wird noch lange nachwirken.
Also luden wir die Alua in Phuket auf einen Frachter und liessen sie durch den Golf von Aden und das Rote Meer in die Türkei transportieren. Dort konnten wir sie wohlbehalten wieder in Empfang nehmen und gönnten ihr nach der weiten Reise von Scarborough, Australien bis Marmaris, Türkei eine gründliche Überholung.
Zur gründlichen Überholung gehören natürlich auch Funktionskontrollen der WC. Und da fliegt uns doch in unserem Gäste-WC (welches seit Neukaledonien nie mehr benutzt wurde) sozusagen die Brille ins Gesicht. Die Kunststoff-Gelenke für Brille und Deckel zerbröseln in unserer fürsorglichen Hand. Sch... denken wir mit realtiefem Sinn, und befürchten schon, dass wir nun ein neues WC kaufen müssen, weil Ersatzteile hier hinten, weit, in der Türkei kaum erhältlich sein dürften. Mit wenig Hoffnung gehen wir aber trotzdem in einen kleinen Büro-Materiallager-Werkstatt-Trödlerladen, weil da unter fünfzig anderen der Markenname unseres WC angeschrieben steht. "No problem," sagt die nette Türkin, macht mit dem iphone eine Foto, drückt auf "senden" und versichert uns eine Minute später: in einer halben Stunde sind die Ersatzteile hier. Wie das geht? Das Hauptgeschäft in Mamaris hat die Teile an Lager, der Inhaber weiss, dass in zehn Minuten ein Bus von Marmaris zur Marina fährt, stellt sich auf die Strasse, stoppt den Bus, übergibt das Päckchen, und die nette Dame vom Büro-Materiallager-Werkstatt-Trödlerladen wartet auf den Bus. Die Türken hier sind sowas von nett, hilfsbereit, höflich, mit guten Manieren, gut organisiert, teamfähig und fleissig (hatten wir da irgendwelche Vorurteile?), dass wir immer wieder erfreut sind, dass es sowas noch gibt. Und die Türken haben viel Humor, ausser einem, der hat keinen.
Wir sind auch begeistert über die vielen kleinen Handwerksbetriebe, Tante-Emma- Läden und Kleinstgewerbe-Hinterhöfe. Hier bekommt man alles - und alles repariert, hier findet man alte Ersatzteile und neue WC-Brillen-Scharniere. Und wenn's einer nicht hat, erklärt er dir den Weg zum nächsten Laden, kommt noch ein Stück mit, damit du den Weg nicht verfehlst, und der nächste macht's grad noch mal so. Da wird repariert, improvisiert, wiederverwertet, Tee getrunken und geplaudert.
Fast hoffen wir, dass die Türkei den Beitritt zur EU noch ein paar Jahre lang vergurkt; denn sonst wäre wohl bald Feierabend für dieses florierende Kleingewerbe, wenn erst mal die europäischen Grossverteiler ihre Do-Its hinklotzen, wenn Monsieur Bricolage expandiert und Fiehlmann der einzige Lieferant von Brillen-Scharnieren jenseits des Bosporus sein wird. Der Neoliberalismus ist tot; es lebe der Büro-Materiallager-Werkstatt-Trödlerladen!

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